Objekt November 2011

Ernstbrunn. – Der hundertjährige Junggeselle als Brautwerber.

Einblattdruck, zur Gänze in Holz geschnitten. (Ernstbrunn?, 1838).
Mit halbseitigem Holzschnitt. Folio. Format: 27 x 18 cm (Bildausschnitt),
35 x 23 cm (ganzes Blatt).

Weder ist für uns dieser Druck bibliographisch nachweisbar, noch können wir die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, belegen. Laut Text – in der unteren Hälfte des Folioblattes – starb „den 16ten Julius 1838 in Pfarre Ernstbrunn in NOest V. Un M.B. Georg Domberger Taglöhner, welcher das höhe Alter von Einhundert und dreyssig /130/ Jahren erreichte. Derselbe war zu Zirrotitz in Mähren im Jahre 1708 geboren, diente schon zur Zeit Kaiser Carls VI. unter dem Prinzen Eugen von Savoyen als Pakknecht im Regimente Khevenhüller, lebte später als Pferdeknecht auf der Herrschaft Ernstbrunn und verehelichte sich in seinem Hundersten Lebensjahre. Selbst in seinem höchsten Alter veränderte sich sein äußeres Aussehen nur wenig, er war immer gesund und verlebte besonders seine letzten neun Lebensjahre ganz kummer und sorgenlos, bethend für das Wohl des Allerhöchsten Kaiserhauses da ihm seit dem 12ten Julius 1829 eine tägliche Gnadengabe aus der Privat Casse Allerhöchst seiner Majestät bis an sein Lebensende zu Theil geworden“. Leider wird uns der Name seiner Angetrauten vorenthalten, aber der halbseitige Holzschnitt im oberen Teil des Folioblattes lässt darauf schließen, dass die Dame beträchtlich jünger war. Auch wissen wir nichts über etwaige Kinder, die aus dieser doch etwas eigenartigen Verbindung hervorgegangen sein könnten.

Der doch schon etwas schütterhaarige und hundertjährige Georg Domberger steht im besten Sonntagsoutfit vor einer strammen Dame im Dirndl und vor deren Haus (?),
er hält einen Blumenstrauß in Händen und hält offenbar um ihre Hand an. Am linken Bildrand ist die Kirche von Ernstbrunn zu erkennen.

Es gibt keinerlei Hinweis auf einen Drucker, rechts unten ist das Blatt lediglich mit „Wienstraße No. 29“ bezeichnet. Eine Wiener Straße gibt es natürlich in Ernstbrunn, aber, wie gesagt, sonst können wir über diese Kuriosität absolut nichts herausfinden. Das Blatt ist zur Gänze in Holz geschnitten – auch der Text – und das ist eine weitere Kuriosität: diese Art, die Verbindung von bildlicher Darstellung und Text, eine Botschaft zu transportieren, kennen wir aus den Zeiten vor Gutenberg, als sogenannte „Armenbibeln“ (Biblia Pauperum) Seite für Seite in Holz geschnitten und gedruckt wurden, aber das hört sich eigentlich mit der Einführung des Druckes mit beweglichen Lettern auf.

Rätselhaft insgesamt und der Spekulation sind Tür und Tor geöffnet: hat es Georg Domberger wirklich gegeben? Hat sich jemand einen Scherz erlaubt? Und, wenn ja, mit wem? Etwa ein Außeridischer in Ernstbrunn? Wir vermögen es nicht aufzuklären. Vorzüglich erhalten.

TOP

Lerchenfelderstr. 48/2/21, 1080 Wien, Austria, Mobile: +43 664 105 76 75
 
Newsletter Drucken Downloads Suche