Objekt Mai 2015

Thesenblatt auf Seide. - Philosophisches Thesenblatt des Melchior Anton Eberschlager von Kof(e)l und Lechenegg.

Reverendissimis ac Reliogiossisimis in Christo Patribus P. Thurso Gonzalez de Santalla S.J. Praeposito Generali XIII., (...) à praenobili et doctissimae Dom. Melchiore Antonio Eberschlager de Kofel et Lechenegg Bulsanensi Prov. Tyrolensi, A.A.L.L. et Philosophi Baccalaureo, eiusdem pro suprema Laurea Candidato, ac Juris utriusque studioso Theses ex Universa Philosophia defendente in (...) Universitate Oenipontana, Praeside P. Nicolao Staudacher S.J., Philosophiae Professore Ordinaria. (Augsburg, 15.Nov. 1696). Schabkunstblatt auf Seide gedruckt. 96,8 x 69 cm.

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Gregor M. Lechner, Das barocke Thesenblatt (Göttweig 1985, aber ohne dieses Thesenblatt); nicht in der Sammlung Anton Roschmann (Innsbruck); nicht im Universitätsarchiv Innsbruck und in den Tiroler Landesmuseen. Außerordentlich seltenes, auf rosafarbene Seide gedrucktes Thesenblatt des Melchior Anton Eberschlager zu Kofl und Lechnegg, vom dem wir nur in Erfahrung bringen konnten, dass er ab 1722 bis zu seinem Tod im Jahre 1732 Pfarrer in Tisens, Südtirol, war. Er verteidigte am 15.November 1696 seine Thesen unter dem Vorsitz des Ordinarius für Philosophie an der Universität Innsbruck, Nikolaus Staudacher (S.J.). Wie damals durchaus gebräuchlich, gab der Dissertant ein Thesenblatt in Auftrag, das in diesem Fall besonders prächtig gestaltet und auf Seide gedruckt wurde. Sowohl der Dissertant, als auch der Ordinarius gehörten dem Orden der Jesuiten, der Societatis Jesu, an und es nimmt daher nicht Wunder, dass im Zentrum des prachtvollen Schabkunstblattes der Gründer der Gesellschaft, Ignatius von Loyola, steht. Umgeben ist er von wichtigen Mitgliedern der Gesellschaft, und es finden sich in dem komplizierten Bildaufbau auch Hinweise auf die vielfältigen Tätigkeiten von Mitgliedern des Ordens: Astronomie, Mathematik, Missionen in fremden Weltteilen, Lehrtätigkeit, usw. Den Entwurf des Thesenblattes verdanken wir Johann Andreas Wolff, München, ausgeführt wurde der Stich von Elias Christoph Heiß in Augsburg. Thesenblätter sind, schon wegen ihrer Größe und schlechter Aufbewahrung, selten und Papierexemplare, die häufig schon nach dem Druck gefaltet wurden, um sie besser versenden zu können, trugen bei Erscheinen schon ihr Verfallsdatum mit sich. Dazu kommt, dass sich in den Sammlungen und Bibliotheken über Jahrhunderte kaum jemand um diese Druckerzeugnisse kümmerte und kümmern wollte - schwer aufzubewahrende und riesige Kupferstiche zu tagesrelevanten Themen interessierte kaum einen Kurator. Dazu kommt, dass diese Thesenblätter in den allermeisten Fällen nur in einer verschwindend kleinen Auflage gedruckt wurden; für die Universität, den Orden, den Landesherrn und die liebe Verwandtschaft - hundert, manchmal vielleicht zweihundert Exemplare (siehe ausführlich bei Gregor M. Lechner). Dieses Exemplar ist außerordentlich gut erhalten. Es war wohl eine Zeit lang gefaltet, aber nun schon seit geraumer Zeit gerahmt, so dass die Knickfalten nur mehr sehr schwach sichtbar sind. Es ist unbeschnitten und mit breiten weissen (eigentlich: zart rosafarbenen) Rändern. Die Darstellung selbst mit ihrem vielfältigen ikonographischen Hintergrund in einem formidablen, tiefschwarzen und kräftigen Abdruck. - Excessively rare baroque thesis sheet, printed on yellow to pink silk (color faded). Melchior Anton Eberschlager zu Kofl and Lechenegg defended his PhD at the University of Innsbruck (Tyrol) on November 15, in 1696. Both, he, and the Professor for Philosophy, were members of the order of the Jesuits, and it is therefore no wonder, that in the centre of the huge print a portrait of the founder of this order, Ignatius of Loyola, can be found. The iconographic background in this thesis sheet reports about the multiple activities of the order in the fields of astronomy, mathematics, and their missions in several parts of this world, as well as some prominent members of the order are depicted. The sketch for this impressive print had been made by Johann Andreas Wolff (Munich), while it had been engraved by Elias Christoph Heiß (Augsburg). Thesis sheets have become rare nowadays: printed in only few copies, disliked by curators and librarians because of their size, very often folded to make their mailing easier, the thesis itself very often cut away the make the whole sheet smaller. This copy is in excellent condition! Although it has been also folded for some time, only traces of creases can be seen as the impressive print was framed for decades. The broad white margins uncut and with the original color of the silk (yellow/pink) partly extant. This is a very fine example of the tradition of announcing of defending a thesis at the University which was used mainly in catholic Southern Germany and Austria.

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