Objekt Oktober 2007

Mela, Pomponius: Libri de situ orbis tres, adiectis IOachimi VAdiani Heluetii in eosdem Scholiis: Addita quoq: in Geographia(m) Catechesi: & Epistola Vadiani ad Agricola(m) digna lectu. Cum Indice summatim omnia complectete.
Wien, Johann Singriener für Lukas Alantsee, (Mai) 1518. Mit großer Titelbordüre in Holzschnitt, der großen Druckermarke des Lukas Alantsee in Holzschnitt am Ende und vielen Initialen in Holzschnitt. (23), 132 (i.e. 133, Bl. 79 doppelt), 1 nn.Bll. Folio. Neuer Pgmt.bd.mit Schließbändern.

Alden-Landis 518/6; Sabin 63956; Borba de Moraes II,683; JCB I,71; Schweiger II,607; Mayer, Wiener Buchdruckergeschichte I,38 und Tafel 21; Apponyi I,128; Denis, Wiens Buchdruckergeschichte bis MDLX Nr.196 (mit ausführlicher Beschreibung der zahlreichen Widmungen in den Vorstücken); VD 16, M 2310. Eine der gesuchtesten frühen Ausgaben des bekannten Werkes „De situ orbis“ des Pomponius Mela, der an den Höfen von Caligula und Claudius tätig war. Sein geographisches Werk bringt die frühesten Erwähnungen der Baltischen See (Sinus Codanus) und der Orkney-Inseln (Orcades) vor der schottischen Küste. Diese Ausgabe wird aber vor allen Dingen deswegen gesucht, weil sie einen Brief des Herausgebers Joachim von Watt (Vadianus) an den Schweizer Humanisten Rudolf Agricola im Druck bringt, in dem dieser den Vorschlag von Martin Waldseemüller unterstützt, den von Kolumbus neu entdeckten Kontinent nach Amerigo Vespucci „Amerika“ zu nennen.

Auf Blatt 124v liest man: „ex recentior(um) inquisitione, si Americam a Vesputio repertam,…“.

Kolumbus wird in diesem Brief übrigens nicht erwähnt. Die Beziehung Amerikas zu dem kosmographischen Konzept der Antipoden, wie es beispielsweise bei klassischen Schriftstellern wie Macrobius oder Cicero zu finden ist, wird ebenso in dem Brief diskutiert, wie eine Reihe spanischer und portugiesischer Entdeckungen. Joachim von Watt, der ein außergewöhnlicher Schweizer Gelehrter war und dessen Bibliothek noch heute in St. Gallen aufbewahrt wird, unterrichtete an der Universität Wien. Sein Nachfolger am Lehrstuhl in Wien war Philipp Gundel, vom dem auch eine Widmung in den Vorstücken abgedruckt ist.

Der Druck Singrieners, der zu dieser Zeit unbestritten der beste Drucker Wiens war, ist von schlichter Schönheit. Die breite Titelbordüre, aus 11 kleinen Holzschnitten zusammengesetzt, zeigt Apollo, Dionysus und die neun Musen mit Instrumenten. Apponyi meint dazu, daß sie würdig wäre, den schönsten Holbein-Kompositionen an die Seite gestellt zu werden. Am Ende findet sich die prachtvolle große Druckermarke des Lukas Alantsee. Unser Exemplar ist, bis auf das letzte weiße Blatt, vollständig. Es wurde vom Vorbesitzer äußerst aufwendig und fachmännisch restauriert und gewaschen. Zahlreiche kleinere und größere Wurmgänge sowie Fehlstellen (durch Wasserschaden) in den äußerst breiten weissen Rändern in den Vorstücken, bis etwa Blatt 17 und ab Blatt 110 bis zum Schluß, wurden mit hauchdünnem Japan geschlossen bzw. angerändert. Der Text ist davon nirgends betroffen. Papierbruch auf Blatt BB8 der Vorstücke mit Buchstabenverlust beim Beitrag des Andreas Egg. Blatt BB8v mit längerem zeitgenössischem Eintrag und, von anderer Hand, aber ebenfalls zeitgenössisch, der Eintrag: „Votum pro Isabellae…“. Blatt a1 mit altem, nicht mehr lesbarem Eintrag eines Klosters und einem eingeklebtem Zettel mit den Worten „strangur guitati“, Blatt a1v trägt unter der gedruckten Widmung Philipp Gundels einen eingeklebten Zettel aus einem Druck, in dem Philipp Gundel erwähnt wird („ab arcanis consiliis D. Philippi Gundelii hominis in omni iudicio elegantissimi…“) und Blatt 50 mit neu angesetztem Abriß der rechten unteren Ecke. Beinahe durchgehend mit ausführlichen Annotationen in gut lesbarer Schrift. Nur sehr vereinzelt im Bund ganz wenig braunfleckig. In neuem Pergamenteinband mit Schließbändern und dem schlichten Rückentitel „De situ orbis – 1518“.

One of the most sought-after of the early editions of Pomponius Mela, the first-century Roman geographer at the courts of Caligula and Claudius, whose geographic treatise contains the earliest mentions of the Baltic Sea (Sinus Codanus) and the Orkney Islands (Orcades) off the Scottish coast. The most important aspect of this edition is the inclusion of the letter of 1515 by the editor, Vadianus, to the Swiss humanist, Rudolf Agricola, supporting Martin Waldseemüller’s suggestion in 1507 to name the new continent „America“ after Vespucci (fol. 124 v.) Waldseemüller had not connected the „mundus novus“ of Vespucci with the Asian Islands found by Columbus and we find no mention of Columbus in Vadian’s present letter to Agricola. „This edition … undoubtedly contributed to spread the name ‚America'“ (Borba de Moraes).

This edition is based on Vadianus‘ lectures on Mela at the University of Vienna. His commentary is quite extensive, and his consultation of newly discovered codices and his independent conjectures made some improvements on earlier texts of Pomponius. Further on is this a very handsomely designed book by Singriener, one of Vienna’s most prominent printers. The beautiful woodcut title border is composed of 11 small cuts depicting Apollo, Dionysus, and the nine Muses playing musical instruments, and there is the large and beautiful publisher’s woodcut device on last page. A complete copy but throughout restored and washed. Smaller and larger wormwholes and several losses in the broad white margins have been closed and remargined with japanese paper, but there is no loss of text. The text is heavily annotated by a contemporary hand, and there are several inscriptions at the beginning. Lacking the final blank leaf and in a new vellum binding with label „De situ orbis 1518“ on back.

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